Meine Fresse, gibt’s hier viele Pagoden. Eigentlich überall. Und ich kann sie jetzt schon alle nicht mehr auseinanderhalten. Aber ein paar bleiben doch in Erinnerung. Zum Beispiel Chùa Bái Đính, der größte Tempelbezirk Vietnams, oder Hang Mua mit dem sich über den Bergkamm schlängelnden Drachen.
Chùa Bái Đính
Es ist eine spontane, etwas bescheuerte Entscheidung am Ankunftstag in Ninh Binh, noch schnell einen Roller zu mieten und Chùa Bái Đính anzusteuern.
Die meisten Pagoden sind so bis 17 Uhr zugänglich. Im Reiseführer steht, dass diese bis 17:30 geöffnet ist. Wenn alles optimal läuft, haben wir bei Ankunft noch eine gute halbe Stunde für Vietnams größten Tempelbezirk. Vielleicht etwas vermessen.
Und es läuft auch nicht alles optimal. Unsere Navigation führt uns ein wenig in die Irre bis wir schließlich am Hintereingang stehen, wo wir abgewiesen werden. Ich habe mich innerlich schon damit abgefunden, dass wir heute nur die kleinen Pagoden außerhalb des ummauerten Areals bestaunen können, denn die sind auch schon wunderschön. Glück im Unglück: Zwar kommen wir hier nicht rein, aber wir erfahren, dass die Pagode heute bis 20 Uhr geöffnet ist. Puh.
Vom Großparkplatz werden wir mit einem Golf-Kart (einem etwas größeren für ca 10 Leute) zum untersten Tor des Geländes gebracht. Von dort geht es zu Fuß weiter. Wir arbeiten uns Treppe für Treppe und Gebäude für Gebäude nach oben (mit Betonung auf oben, das sind doch schon wieder hunderte Stufen, wo mir doch die Beine noch vom Vortag weh tun), durch die Tempel der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, vorbei an Tausenden kleiner goldener Buddhas und Hunderten in Stein gemeißelter Arhats zum Tempel der Göttin der Barmherzigkeit. (Viele der buddhistische Heiligenstatuen haben blank polierte Knie. Das scheint Glück zu bringen und die Besucher scheinen es zu brauchen.) Dabei sind wir fast allein: Außer uns ist kaum jemand hier.
Mit jeder „Etage“ werden die Gebäude prachtvoller und die Buddhas größer oder zahlreicher. Im vorletzten großen Tempel sitzt ein riesiger Buddha mit einer Lotusknospe in der Hand, der es Bonnie angetan hat.
Bei der gesamten Anlage geht es vor allem darum, zu beeindrucken. Das wird offensichtlich an folgenden Rekorden:
- größte vergoldete Buddha-Statue Asiens (100 t) (ich bin schwer beeindruckt und innerlich ganz verzückt bei diesem Anblick)
- längste Arhat-Allee (3 km) in Asien (aneinander gereihte Heiligenstatuen)
- größte Maitreya-Statue (100 t) in Südostasien (Buddha der Zukunft)
- höchster Buddistische Pagode (100 m) (ist bereits von Weitem eine echte Landmarke)
Beeindruckt sind wir tatsächlich. Aber bald wird es dunkel und die Lichter gehen an. Da wird es dann fast ein wenig magisch – und ein bisschen wie Weihnachten und Silvester zusammen. Leider dauert die blaue Stunde hier in den Subtropen nur wenige Minuten.
Plötzlich deutet Bonnie auf den Mond. Ein Blutmond! Wir haben gerade eine totale Mondfinsternis. So sitzen wir vor Asiens höchstem Pagoden-Turm, löffeln Maracujas und freuen uns an diesem verzauberten Moment. Ein echter Glücksmoment!
Hang Mua
Den Drachen haben wir schon bei unserer ersten Bootstour aus gesehen. Heute wollen wir da hin. Hang Mua ist dem Namen nach eine Höhle. Aber die Höhle ist uninteressant. Spannend ist der Aussichtspunkt, der zusammen mit einer kleinen Pagode und dem Drachen darüber in die Felsen gebaut worden ist.
Es ist ein schweißtreibender Aufstieg (schon wieder *Augenroll*), den wir aber schließlich gerade noch vor dem Dunkelwerden meistern. Auf dem Weg nach oben, an der ersten Aussichtsterrasse, passieren wir drei Instagram-Schönheiten in fantastischen Kleidern, die sich vor einem professionellen Fotografen in Pose werfen. Keine Ahnung, wie die es geschafft haben, hier oben anzukommen und dabei noch so auszusehen, als kämen sie gerade vom Visagisten. Mir tropft der Schweiß von der Stirn. Nicht nur da.
Ganz oben schlängelt sich dann der Drache über den Bergkamm. Bestimmt ist es verboten, ihn zu besteigen und in Deutschland gäbe es an so einem Ort Aufsichtspersonal, Zäune und Selbstschussanlagen. Aber hier ist er frei zugänglich, was viele (auch uns) zu dem waghalsigen Vorhaben verleitet, ihn zu besteigen.
Ganz ehrlich: Ich habe keine Höhenangst. Ich klettere einigermaßen gut. Und ich habe gute Nerven. Aber bei der Aktion überlege ich mir zwischendurch doch, ob das eine gute Idee ist.
… und dann klettern kleine Asiaten in Schläppchen an mir vorbei und am Ende tauchen auch die Insta-Schönheiten auf und fangen an, in ihren Ballkleidern und in inzwischen weitgehender Dunkelheit, den Drachen zu besteigen. Krass. Ohne Worte.
Weitere Tempel
Bich Dong: Laut König Tu Duc eine Pagode in der „zweitschönsten Grotte Vietnams“
Phố cổ Hoa Lư: Stimmungsvoll beleuchten können die Vietnamesen, wenn sie wollen.
Unterwegs: … und das wir eine Kirche. Zur Zeit dient die Baustelle vor allem zum Reis trockenen.
Spannend ist auch die Dachdeckung, was so aussieht wie feinsäuberlich gelegte Dachschindeln sind vorgefertigte Bleche, die von oben nach unten angebracht werden. Sehr interessant!














