Morgen verlassen wir Cat Ba und reisen weiter nach Ninh Bin in die trockene Halong-Bucht. Eine kurze Rekapitulation:
Von Hanoi kommend erreichen wir die Insel Cat Ba per Bus und „Schnellboot“ (langsamer wäre schieben) und checken in unser Hotel ein. Der Service ist gut, das Bett auch, der Rest ist angesichts des Preise von 37 € für drei Nächte angemessen. Wir buchen eine Tour durch die Lan-Ha-Bucht für den folgenden Tag.
Die ist vermutlich Touristen-Standard-Ware. Es geht zu verschiedenen Punkten innerhalb der Lan-Ha-Bucht und in den Teil der Halong-Bucht, der zwischen den beiden Provinzen Haiphong und Halong umstritten ist. Das ist relevant, denn wir erfahren, dass lokale Touranbieter nur Touren innerhalb der eigenen Provinz anbieten dürfen. D.h. für eine Tour ins Zentrum der Halong-Bucht müssten wir Cat Ba erst einmal verlassen und in die Nachbarprovinz wechseln.
Lan Ha und Halong unterscheiden sich wohl im wesentlichen darin, dass die Karst-Türme in der Halong-Bucht größer sind und weiter auseinander stehen. Vielleicht holen wir das am Ende der Tour noch einmal nach.
Jetzt genießen wir erstmal die Fahrt. Reiseleiter Kevin – mit seiner klamaukigen guten Laune – nervt uns zwischenzeitlich und die sonstige Traveller-Gesellschaft gibt uns das Gefühl, seeehr alt zu sein. Aber die Landschaft ist einfach wunderschön. Und im Gegensatz zu Halong, ist in der Lan-Ha-Bucht kajaken erlaubt und die Touren-Anbieter können ihre Routen selbst festlegen.
Nachdem wir einige schwimmende Siedlungen und die eine oder andere Bucht zwischen den Karstfelsen passiert haben, machen wir einen ersten Stopp vor einem einsamen Strand, wo wir vom Boot springen und schwimmen können. Das Wasser ist herrlich und so salzig, dass sogar ich zum ersten Mal in meinem Leben auf dem Wasser treiben kann. (Aber vielleicht bin ich auch einfach nur fett geworden.) Langsam und entspannt unter der senkrechten Klippe eines Karstfelsens entlangzutreiben ist unfassbar entspannend. Gut, dass ich mich eingecremt habe, sonst hätte ich Sonnenbrand auf dem Bauch.
Der Strand ist leider vermüllt, aber eher nicht von den Gästen, sondern vom weltweit gegenwärtigen Plastik-Treibgut.
Als nächstes legen wir an der schwimmenden Fischfarm von Kevins Onkel an. Kevins Onkel betreibt in seinem kleinen schwimmenden Reich auch noch einen Kajak-Verleih und ein HomeStay (eine Unterkunft mit Familienanschluss).
Mit den Kajaks unternehmen wir eine entspannte Paddeltour. Zwar müssen wir als Gruppe grob zusammenbleiben, aber solange man die anderen nicht außer Sichtweite verliert, kann man selbst auf Entdeckungsreise gehen und die seltene Ruhe genießen. Über uns kreisen Schwarzmilane, eine einzelne Zikade macht Lärm, als ob jemand mit der Flex durch den Karstfelsen fräst und neben dem Kajak springen Schwärme kleiner Fischchen aus dem Wasser als hätten sie Freizeit und Spaß daran.
Am Nachmittag cruisen wir noch eine Weile weiter an spektakulären Karstformationen vorbei, um zum Sonnenuntergang ein weiteres Mal im Windschatten von Monkey Island zu ankern. Hier hat die Tourismusbehörde mal Affen aus Thailand angesiedelt, aber inzwischen haben sie den Zugang zur Insel gesperrt. Trotzdem sehen wir einige Affen auf dem Dach eines verfallenden Hauses. Mal lausen sie sich, mal jagen sie einander quer über die Dächer.
Zurück in Cat Ba überlegen wir mal diese riesigen, an Kellerasseln erinnernden Pfeilschwanzkrebse zu probieren, die wir in den Tanks vor den Restaurants sehen, entscheiden uns aber dagegen. Später erfahren wir, dass das wohl gut so war. Denn die Krebse leben als Pärchen und wenn man einen tötet, stirbt der Partner binnen Stunden ebenfalls. Und dann hat man plötzlich Essen für 4 bis 6 Personen.
Am Folgetag mieten wir uns Roller und brechen in Richtung Nationalpark auf. Ja, richtig: Wir trauen uns in den vietnamesischen Verkehr – der hier auf der Insel allerdings im Vergleich zu Hanoi sehr zahm ist.
Im Gegensatz zu Bonnie, die Roller-Profi mit Motorradführerschein ist, bin ich in meinem bisherigen Leben vermutlich 3-mal (selbst) Roller gefahren: Auf Mallorca, in Thailand und … nee, doch nur 2-mal.
- Hab ich ein bisschen Schiss? Ja, schon.
- Braucht man hier einen Führerschein zum Fahren eines Rollers? Kann bestimmt nicht schaden. Gefragt hat aber keiner.
Wir pöttern also los ins Zentrum der Insel. Jan schlägt sich als Easy Rider ganz hervorragend, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Ich finde die Geschwindigkeitssteuerung beim Roller übrigens überarbeitungsbedürftig. Wieso kann man gleichzeitig Gas geben und bremsen? Beim Auto muss man dafür wenigstens tricksen. Und bei Schiffen und Flugzeugen man nur einen Hebel für Schub vorwärts oder rückwärts. Dass man gleichzeitig Gas geben und bremsen kann – und das auch noch mit einer Hand! – sorgt bei mir für den einen oder anderen etwas ruckeligen Stopp.
Überall flattern Schmetterlinge: Kleine gelbe, hellblau-schwarz marmorierte, große dunkle und noch ganz viele andere. Herrlich.
Der alte Parkwächter am Eingang zum Nationalpark schreibt freundlicherweise mit Kreide die Seriennummern unserer Eintrittskarten auf unsere Roller, damit wir sie wiederfinden. Er hat vermutlich so seine Erfahrungen mit den Touristen.
Unser Ziel ist Đỉnh Ngự Lâm, ein Aussichtspunkt hoch über dem Dschungel. Da kommen wir beiden Sportskanonen ordentlich ins Schwitzen. Schon die ersten Schritte fühlen sich an wie im Tropenhaus. Zu Luftfeuchtigkeit und Wärme gesellt sich noch der typische Geruch nach Moder und warmer Erde. Nicht zu vergessen, die zig kniehohen Stufen, die wir hinter uns bringen müssen. Also meine Oberschenkel fiepen ordentlich nach dem Aufstieg. Als wir schließlich oben ankommen, ist der Ausblick aber fantastisch.
Und weil das im Ticket inbegriffen ist, besuchen wir im Anschluss auch noch schnell die Trung Trang Höhle, die als Tunnel durch den Fels verläuft. Schön ist, dass wir ohne Führer hinein dürfen. Aber sie haben auch alles zubetoniert, was gefährlich sein könnte. Wer schon einmal in einer Tropfsteinhöhle war, hätte hier wenig Neues gesehen, aber schöne Ecken gibt es trotzdem. Nur die Fledermäuse, von denen der Reiseführer spricht, sehen wir leider nicht.
Heute gönnen wir uns einen Hot Pot: Einen Topf mit heißer Brühe, in der wir wie beim FonDue Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte garen können. Wir lernen, dass man auch Salat darin garen kann und dass das unerwartet gut schmeckt (nach der Brühe halt und nicht mehr nach Salat).
Gut, dass wir mit dem Rolle da sind, denn wir sind anschließend so voll, dass wir kaum noch laufen können.
Die Krebsgeschichte hat mir das Herz gebrochen 😭 jetzt ist meine Tastatur voller Tränen, das ersetzt ihr mir!
🤣
Bonnies Holzschaukel ist toll! 🙂
Ihr Lieben,
großartig, dass Ihr uns so intensiv und ausführlich an Eurem Reisen und Erleben teilhaben lasst. Großartige, beeindruckende Landschaften. Herzzerreißende Geschichten. Ein Fischgericht, das einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Und Fotos, die deutlich machen, dass es Euch offensicht sehr gut geht und Ihr die Tage genießt. Möge es so bleiben!!
Vielen Dank für eure großartigen Berichte.
Soooo schön 🤗