Im Bericht über die Motorrad-Tour im Norden sind wir schon kurz auf das Phänomen des Posens eingegangen. Da es uns aber nicht nur dort begegnet ist, sondern uns die gesamten drei Monate begleitet hat, möchte ich die Gelegenheit nutzen, einen etwas intensiveren Blick darauf zuwerfen.
Dieses Posen ist für mich immer noch eine faszinierende Geschichte. Eine Form oder besondere Fähigkeiten der Selbstinszenierung, die mir nahezu fremd ist. Aber die Asiatinnen sind die wahren Königinnen in dieser Disziplin.
In allen drei Ländern gibt es spezielle Fotolandschaften oder Fotoszenerien, die nur für diese fotowütige Zielgruppe aufgestellt wurden. Bunte Sträucher, herzförmige Sessel, Blumenspaliere, Riesenschaukeln über Abgründen, Buggys u.v.m.
Wir entdecken sogar spezielle Tour-Angebote für Instagrammer* und andere Internet-Selbstdarsteller. Versprochen werden die „most instagrammable spots“ mit minimaler persönlicher Anstrengung und maximaler Geschwindigkeit. Regenschutz inklusive, Pausen zum Aufhübschen eingeplant. Irre.
Während ich häufig immer noch ein wenig unvorteilhaft meine Plautze auf Fotos rausstrecke oder eine Grimasse ziehe oder gerade im entscheidenden Moment die Augen zu habe, hat es die geübte Insta-Lady voll drauf, alle ihre vorhandenen und nicht vorhandenen Vorzüge so zu drapieren, wie sie im realen Leben niemals aussehen.
Wie man auf Fotos (ohne lange Photoshop-Bearbeitung) besser aussehen kann als im realen Leben, ist mir wirklich ein Rätsel. Aber sobald das „Vögelchen“ zwinkert, wird aus einer Mittdreißigerin mit Aknehaut und dickem Hintern ein Mitzwanziger-Vamp oder ein Schulmädchen in Unschuldspose. (Von den folgenden Grazien ist davon natürlich keine gemeint.)
Am meisten überrascht hat mich allerdings, wie weit manch eine für DAS Foto geht.
Zur „Drachen“-Pagode Hang Mua sind es über 500 Stufen den Berg hinauf. Es ist heiß, ich schwitze, meine Haare kleben am Kopf und ich brauche ein Sauerstoffzelt, als ich auf halber Höhe ankomme.
Neben mir pumpt ein junges Mädel auch wie ein Maikäfer. Nur mit dem Unterschied, dass sie auf Zuruf, kurz den Schweiß von der Stirn tupft, das Abendkleid, in dem sie sich auf diesen Berg geschleppt haben, richtet, ihrem Insta-Boyfriend den Rücken zudrehen, die Mähne lasziv im Wind wehen lassen und ihm kess über die Schulter zuzwinkern. Zack! Das perfekte Foto im Kasten. (Also eins von den Tausend, die in diesem Moment geschossen werden, wird es dann schon sein.)
Das Risiko für das Foto ist egal. So steigt besagte Schönheit wenig später mit Abendkleid und Schlapperlatschen bis ganz auf den Gipfel, um sich vor dem Drachen auf dem Bergkamm ablichten zu lassen. Die letzten Meter erreicht man nur noch kletternderweise… und eigentlich sind die letzten Meter verbotenes Terrain. Aber was ist so ein Verbot schon im Vergleich zum perfekten Foto?!
Wir sind da natürlich völlig immun und würden uns nie zu solchen Dummheiten verleiten lassen… Zumindest tragen wir dabei keine Schlapperlatschen, sondern feste Schuhe. 😉
Die Varianz der verschiedenen Posen ist unendlich. Von besagter Jungmädchen-Unschuldspose, über Blumenposen bis hin zu dynamischerer Fußarbeit ist alles dabei.
Wir haben nicht jedes Mal die Kamera im richtigen Moment zücken können, aber mein persönliches Fotomodell hat sich bereit erklärt, die am Häufigsten beobachteten Posen nachzustellen, um euch einen Eindruck zu vermitteln.
* Instragram ist eine Social Media Plattform im Internet, die Menschen, die Möglichkeit bietet, sich schwerpunkmäßig mithilfe von Fotos auszudrücken. Relativ schnell hat sich dabei ein großer Teil der Nutzerschaft in eine Welt des schönen Scheins und der idealisierten Selbstinszenierung verabschiedet.



























