Wir sind bereits im Mekong-Delta, deshalb rückblickend ein paar Eindrücke zur 9-Millionen-Stadt.
Anders als für Hanoi habe ich kein richtiges Gefühl für Saigon entwickelt. Saigon oder auch Ho Chi Minh City (kurz HCMC) ist vielleicht auch zu groß, um in 4 Tagen ein umfassendes Gefühl für die Stadt zu bekommen. Es gibt 24 Bezirke und wir sind mehr oder weniger aus Zufall im Bezirk 1 abgestiegen. Wie es wohl die meisten Touristen tun. In Bezirk 1 und Umgebung liegen die größten Sehenswürdigkeiten, die man leicht mit einem Hop-on-Hop-off-Bus abgrasen kann.
In Bezirk 1 liegen auch alle High-Class-Hotels, die man sich nur vorstellen kann mit breiten Auffahrten für SUVs und Limousinen. Und auch alle High-Class-Geschäfte: Gucci, Prada, Luis Vuiton, you name it, die Herr und Dame von Welt benötigen, um gediegen einkaufen zu ´gehen. In den glänzenden Fassaden der Riesen-Malls kann man sich spiegeln.
Man kann hier unglaubliches Geld lassen und so war das Preisniveau insgesamt auch etwas höher, als bei unseren bisherigen Stationen.
Hier haben wir unser teuerstes Eis gegessen: 2 x 2 Kugeln für umgerechnet insgesamt 10,60 €. Zum Vergleich: Wir haben am selben Tag auf der Straße zwei große Suppen (Pho) für 1,76 € vertilgt – der Preis ist wohlgemerkt für uns beide zusammen.
Die Stadt ist zumindest im ersten Bezirk sehr auf Touristen ausgelegt. Beim japanischen Modegeschäft Uni Qulo gibt es dieselben Klamotten wie bei uns, gesteppte Winterjacken, die man hier absolut nicht braucht. Niemals. Wobei mein Moped-Fahrer bei der Food-Tour bei endlich mal weniger als 30 °C immer wieder besorgt gefragt hat, ob ich frieren würde. Es sei doch recht kühl…
Was kann man über Saigon sagen?
- Die Stadt ist groß.
- Sie ist ein Meltingpot vieler asiatischer Gruppen: Vietnamesen, Koreaner, Japaner, Thailänder usw., die sich hier niedergelassen haben. Aber die, auf die alle schimpfen, sind die Chinesen.
- Sie hat das höchste Gebäude Vietnams.
- Sie hat noch mehr turbulenten Verkehr als irgendeine andere Stadt, die wir bisher besucht haben.
- Es ist unglaublich warm. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 27°C, die sich in den Ausläufern der Rainy Saison anfühlen wie lockere 34°C bei einer Luftfeuchtigkeit von mindestens 70%, wenn nicht sogar 100%, wenn mal wieder ein tropischer Regenschauen von Null auf gleich auf einen niedergeht.
- Es ist eine Stadt der Gegensätze: einerseits Glamour in Bezirk 1, in dem die High-Society aus aller Welt shoppen geht und die großen Boulevards mit Springbrunnen prachtvoll beleuchtet sind.
Auf der anderen Seite Bezirke in denen die Kanäle knöchelhoch mit Dreck zugeschüttet sind, dicke Ratten ihre Freude haben und man noch kleine Märkte entdeckt, in denen die Locals für wenig Geld alles Alltägliche bekommen. Auch Tiere, die vermutlich unter Schutz stehen.
- Protzige Restaurants, in die in Prada gekleidete Hostessen Geschäftsmänner zum Dinner begleiten, man am Nachbartisch französisch spricht und auch Studiosus zum Essen einkehren würde. Das teuerste, fadeste und unverschämteste Essen, was wir seit drei Wochen zu uns genommen haben, gab es hier.
Und auf der anderen Seite, das leckerste Streetfood an der Straßenecke, an die jemand drei Kindergarten-Plastiktische mit fünf Kindergarten-Plastikhockern gestellt hat und man nicht weiß, was in der Suppe schwimmt. Ich glaube es war Blutpudding und Darm. Und ich war ganz entzückt, dass wir für 1,20 € pro Person während des Frühstücks noch unsere Schuhe geputzt bekommen haben. Die haben wir seit der Dschungel-Tour mit vereinten Kräften nicht wieder sauber bekommen. Der nette Schuputzer schon 🙂
Kurz eine Stadt, die auch auf den zweiten Blick etwas unsympathisch wirkt.