Die Zeit in Albanien ist rum. Wir sitzen schon am Flughafen in Tirana und warten auf unseren Flug nach Berlin.
In den letzten drei Wochen haben wir viel vom Land gesehen. Einiges ist genauso wie zu Hause, anderes ist ein wenig anders. Im Folgenden findet ihr eine Liste mit Dingen, die uns aufgefallen sind und die wir für bemerkenswert halten:
Essen
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In jedem Hotel gibt es das gleiche Frühstück: weißes Brot, Eier – in irgendeiner zubereiteten Form, Tomate, Gurke, Schafskäse und zwei Sorten Marmelade.
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Marmelade schmeckt immer nur einheitlich süß, enthält aber (deshalb?) immer ganze Früchte. Unsere Hypothese: So kann man erkennen, welche Sorte es sein soll.
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Es wachsen überall leckere Feigen, im Essen tauchen sie aber nicht auf … außer ganz manchmal in Marmelade.
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Zu fast jedem Gericht gibt es Schafskäse. Unsere Hypothese: Er dient als Salzersatz, denn meist gibt es kein Salz, um Dinge nachzuwürzen. Etwas gewöhnungsbedürftig.
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Der gemischte Salat zum Essen wird allerdings häufig ohne Schafskäse gereicht und nennt sich „Dorfsalat“. Unsere Hypothese: Mit Schafskäse müssten sie ihn „griechischen Salat“ nennen und das geht natürlich nicht.
- Bevor man überhaupt anfangen kann zu essen, muss eine Papierdecke aufgelegt werden. Egal, ob der Tisch lackiert ist oder schon eine Tischdecke darauf liegt. Das Ganze wird mit Tisch-Clips so mittel befestigt, damit der Wind die Decke nicht davonweht. (Mein innerer Monk musste einiges aushalten: Papierdecke lag schräg, aber nicht richtig schräg auf dem Tisch, es wurde nur drei statt vier Clips verwendet *arghhh*.)
- Eine Eigenschaft, die einerseits löblich, andererseits befremdlich ist: Man bekommt im Restaurant exakt das, was man bestellt bzw. was in der Karte aufgeführt ist. Keine Komponente bleibt dort unerwähnt (teilweise inklusive Gramm-Angabe). Aber man bekommt auch keinen Tick mehr. Wenn dort Linguini mit Tomaten und Basilikum steht, stelle ich mir eine Soße aus den Zutaten vor, die noch nett gewürzt ist. Weit gefehlt, es gibt exakt das: Nudeln, kleingeschnittene Tomaten und etwas Basilikum. OK, ein Esslöffel Öl, gab es noch on top, aber mehr nicht. Also Obacht bei der Interpretation der Karte.
Verkehr
- Wir hatten uns auf schreckliche Straßenverhältnisse eingestellt, aber wir haben festgestellt, dass die albanischen Straßen zu 89% wirklich richtig gut ausgebaut sind. Bewegt man sich abseits der Pfade, kann einem schon mal eine Schotterpiste begegnen, aber selbst in kleinen Dörfern ist der Straßenbelag meist nicht schlechter als in unserer geliebten Hauptstadt.
- Hat man sich erst mal an die Fahrweise gewöhnt, kommt man im albanischen Straßenverkehr gut klar. Es ist alles ziemlich fließend und bewegt sich mehr nach Gefühl, als nach echten Straßenregeln. Wirklich fiese Raser, die einen rechts überholen und schneiden, sind selten.
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Dazu passt auch, dass ziemlich unklar ist, wer im Kreisverkehr Vorrang hat. Der, der im Kreisverkehr ist, oder der, der in den Kreisverkehr einfahren möchte? Meist fährt einfach der, der Lust hat oder als erster da war. Alle achten aufeinander und irgendwie funktioniert es. Auf Ampeln kann man deshalb außerhalb größerer Städte gut verzichten.
- In Albanien werden viele Transportmittel aus Deutschland weiterverwendet. So begegnete uns ein Linienbus in Tirana mit der Anzeige „Schienenersatzverkehr“ im Display. Oder der Transporter vom „Stukkateurmeister Fröhlich“, der uns beim Rafting zum Bootsanleger an der Vjosa gefahren hat.
Alltägliches
- Es ist uns nicht überall begegnet, aber als es soweit war, war es ziemlich befremdlich. „Jo“ heißt im Albanischen Nein und „Po“ heißt Ja. Das hab ich mir nach rund 2,5 Wochen dann doch endlich merken können. ABER, wenn „Po“ gesagt wird und dazu der Kopf geschüttelt wird, hat mich das doch ziemlich aus dem Konzept gebracht. Vor allem wenn man dann selbst nickt, um zu bestätigen, was man meint, und der andere denkt, man sagt nein. Dann ist die Verwirrung perfekt.
- Sehr angenehm ist, dass in Albanien in den Hotels und Restaurants kein Trinkgeld erwartet wird. Die Freude ist um so größer, wenn es dann welches gibt.
- Eine sehr schöne Tradition – egal wie klein oder groß der Ort ist – ist der abendliche Xhiro („Schiro“ gesprochen). Alt und Jung trifft sich und geht spazieren. Man grüßt sich und hält ein Schwätzchen, wenn man Bekannten begegnet. In diese Tradition haben wir uns gerne eingereiht.
- Noch vor dem Xhiro, also eher am Nachmittag, wenn die größte Hitze des Tages vorbei ist, trifft sich eher die ältere Generation, rückt sich eine Bank, einen Stuhl oder auch nur eine Bierkiste in den Schatten und hält einen gepflegten Ratsch. Dabei tratschen meist Männlein von Weiblein getrennt.
- Wenn der Tag lang ist und die Hitze niederbrennt, trifft man das männliche Geschlecht meist irgendwo im Schatten unter Bäumen z.B. in einem Park. In Gruppen stehen die älteren HERRschaften um zwei Kontrahenten, denn es wird Domino gespielt, Backgammon oder auch Schach. Dafür reicht manchmal ein Pappkarton, der als Tischersatz dient. In der Menge wird mitgefiebert, kommentiert und gelacht. Die Damen sieht man eher selten auf der Straße und schon gar nicht in den Zock-Gemeinschaften.
- Albaner gehen mit (ihren) Tieren sehr fried- und freiheitsliebend um. So begegnet uns in einem kleinen Ort am Prespasee mehrfach eine freilaufende Eselherde. Die Gang galoppierte mal hierhin, mal dorthin und oder chillte im Schatten am Kirchplatz. Hunde gibt es in allen Größen. Sie gehören niemandem, sind sehr friedlich und liegen meist wie erschossen irgendwo rum und schlafen. Gerne auch mitten auf der Straße/Gehweg. Niemand stört sich an den Streunern. Sie werden freundlich behandelt, dafür hört man nur sehr selten ein Bellen oder Knurren.
- Häufig hängen Teddybären oder andere Kuscheltiere aufgeknüpft an der Fassade oder am Gartentor. Wir dachten erst an einen makabren Scherz, aber wie sich herausstellt, sollen die plüschigen Lieblinge vor dem Bösen Blick schützen.
- An liebevollen kleinen Ständen an der Straße werden die Erzeugnisse aus dem eigenen Garten oder der eigenen Küche verkauft. Manchmal wird die Ware auf Vertrauensbasis dargeboten, aber meist sitzt jemand einen sehr langen Tag lang an einer staubigen Straße und wartet auf Kundschaft.
Wow, das ging jetzt schnell. Gefühlt seid ihr dich erst in Albanien angekommen. Wie lange seid ihr denn im schönen Berlin und wann geht’s wieder weiter?