Papphelme, Panne und Polizei

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Es gibt ein paar kleinere Erlebnisse, die zu berichten wir noch keine Gelegenheit gefunden hatten. Dazu gehört die von unserer missglückten Tour mit dem rosafarbenen Honda Scoopy.

Wir sind in Vientiane, der langweiligsten entspanntesten Hauptstadt Südostasiens. Wir haben gehört, dass es (weit) außerhalb der Stadt einen skurilen Skulpturenpark geben soll. Also versuchen wir, beim Rezeptionisten unseres Hotels einen Roller zu mieten. Kein Problem. Nach etwa 5 Minuten kommt er mit einem Prachtexemplar von Roller vorgefahren, den er uns stolz präsentiert. Der kleine Scoopy ist pink und weiß und Herr Rezeptionist hat für uns sogar farblich passende Helme dabei. Wobei „Helm“ ein Euphemismus ist. Denn strukturell bewegen sich diese defensiven Kopfbedeckungen zwischen Papphut und Bauhelm.
Wir finden das so lustig, dass wir ihn bitten, Fotos von uns zu machen

Auf geht’s. Etwa 1,5 Stunden knattern wir über Hauptverkehrsstraßen durch die Pampa und sind fast da, als Scoopy plötzlich ganz still wird. Scoopy ist einfach während der Fahrt ausgegangen und lässt sich auch nicht wieder starten. Nicht so günstig.
Wir stehen an einer Kreuzung ziemlich im Nirgendwo, warten ab, bis der Kleine abgekühlt ist, schaffen es aber weiterhin nicht, ihn wieder zu starten. Weder mit dem Start-Knopf, noch mit dem Kickstarter.

Nette Menschen dirigieren uns zu einem Mechaniker. Wer bei „Mechaniker“ an eine Werkstatthalle mit massiven Hebebühnen denkt, könnte falscher kaum liegen. Wir stehen vor einem kleinen Wohnhaus, das man durch einen Ersatzteil-Verkaufsraum betritt. Vor dem Haus, unter einer Markise, befinden sich zwei klitzekleine Rollerhebebühnen.
Ganz ehrlich: Ich wusste nicht, dass es das gibt, habe es aber später noch öfter gesehen: süße, kleine Hebebühnen für Roller.
Der Mechaniker und sein Sohn sprechen kein Englisch, aber unser Begehr ist klar, als wir den Roller schwitzend unter die Markise schieben. Er nimmt sich unseres Rollers direkt an. Nachdem er den Roller geöffnet und eine Weile darin herumgeschraubt hat, bedeutet er uns: Nichts zu machen. Den kleinen Scoopy kann er nicht auf die Schnelle reparieren.

Roller-Werkstatt
Scoopy auf Hebebühne

Wir sind etwas ratlos.
Wie kommen wir zurück in die Stadt?
Was machen wir mit dem Roller?
Während ich an einem geliehenen Telefon mit dem Hotel verhandle und Bonnie dem Mechaniker bei letzten, wenig optimistischen Versuchen beobachtet, Scoopy wieder in Gang zu setzen, springt der Roller plötzlich an. Das Erstaunen ist groß und der Mechaniker macht klar: Fahrt jetzt so schnell ihr könnt nach Hause. Nicht ausmachen. Auf keinen Fall ausmachen. Denn ob er dann noch einmal anspringt, steht in den Sternen.
Also hüpfen wir auf die kleine Maschine und düsen los.

Folgende, etwas problematische Konstellation ergibt sich:

  1. Unsere rosafarbenen Kopfschüsseln befinden sich im Fach unter dem Sitz. Um dieses Fach zu öffnen, müssten wir den Motor abstellen und den Schlüssel abziehen. Das wollen wir jetzt aber um jeden Preis vermeiden.
  2. Bonnie hat auf dem Hinweg auf der Gegenfahrbahn eine Polizeikontrolle gesehen. Ohne Helm in eine laotische Polizeikontrolle zu geraten, erscheint uns ebenfalls nicht geraten.

Wir beschließen zwei Maßnahmen: Zum einen muss Bonnie fahren. Bonnie hat wenigstens einen gültigen Roller-Führerschein. Zum anderen wollen wir eine Route probieren, die die Polizeikontrolle möglichst umgeht.
Jetzt ist das laotische Straßennetz nicht das dichteste. Und wo genau die Polizei wartet, wissen wir auch nicht mehr so genau. Aber wir finden einen Route, die vielversprechend erscheint und schlagen sie ein. Das erweist sich als keine so gute Idee. Die Straße wird schon bald so schlecht, dass uns LKWs auf unserer Spur entgegenkommen, weil die andere Seite der (baulich getrennten!) Straße selbst für LKW unbefahrbar ist. Der Staub, den die Laster dabei aufwirbeln, macht uns das Atmen schwer. Zudem wird es immer einsamer. Wenn wir hier liegen bleiben, ist das eher kein Gewinn.
Also zurück zur Straße und hoffen, dass die Polizei Feierabend gemacht hast.

Hat sie nicht.

Als Bonnie die Polizisten sieht, versucht sie, sich in der Deckung eines LKW in ihnen vorbeizumogeln. Nichts zu machen. Wir werden herausgewinkt.

Meine Strategie in solchen Fällen ist: Höflich lächeln und abwarten. Vielleicht geht es ja gar nicht um die Helme. Dann muss man die Herren in Uniform ja nicht unbedingt drauf stoßen.
Bonnies Strategie ist anders: Sie sprudelt die Ereignisse des heutigen Tages in ziemlich schnellem Englisch heraus. Dass wir Helme haben. Dass wir eine Panne hatten. Dass wir an die Helme nun nicht mehr herankommen. Dass wir uns unserer Schuld bewusst sind, aber keine Wahl hatten.
Die Polizisten wirken unbeeindruckt. Vermutlich haben sie kein Wort verstanden. Dann zückt Bonnie ihr Handy: Das Bild von heute Morgen von uns mit den Helmen. Das Bild aus der Werkstatt, von Scoopy auf der süßen Hebebühne.
Stellt sich heraus: Einer der Polizisten spricht vorzüglich Englisch. Er hat die ganze Geschichte verstanden und die Bilder müssen ihn überzeugt haben. Jedenfalls zeigt er Verständnis, gibt seinen Kollegen ein Zeichen, ihnen das alles später zu erklären und wünscht uns eine gute Weiterfahrt und viel Glück.

Selten waren wir so erleichtert und dankbar dafür, dass die Menschen hier so nett und hilfsbereit sind, wenn man ein Problem hat.

Scoopy bringt uns zurück zum Hotel und springt dort, als wir den Defekt demonstrieren wollen, natürlich klaglos immer wieder an.
Beim nächsten Mal betanke ich dich mit Frittenfett du kleiner Bastard.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Karooo

    Geil, ich hab DIE Geschichte von neulich Abend wiedergefunden und mich erneut köstlich amüsiert 😀
    Freue mich auf alle neuen Stories!

    1. Jan

      Hi Karo! Willkommen auf unserem Blog. Wie lustig, dass du dich durch unsere alten Beiträge gräbst. Ich hoffe, wir können dir das eine oder andere Schmunzeln bescheren.

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