Hanoi kulinarisch

Wir haben Jetlag. Die Augen wollen heute morgen einfach nicht offen bleiben. Um trotzdem was vom Leben draußen mitzubekommen, suchen wir uns ein Frühstückslokal bei uns in der Straße. Bei einem Bánh mì (belegtes Baguette) lassen wir den Tag und Hanois Altstadt auf uns wirken.

Nach einer Weile lösen wir uns von der Straßenszenerie und spazieren gemächlich um den Hoan-Kiem-See. Wir geraten von einem Foto-Shooting ins nächste. Die Schildkröten-Pagode scheint ein extrem begehrter Fotoshintergrund zu sein.
Frauen jeden Alters lassen sich in wunderschönen, traditionellen Gewändern mit Blumenstrauß – gern ganz in weiß – professionell ablichten.

Schildkrötenpagode im Hoan-Kiem-See
Frau in weiß
Frau mit Insta-Boyfriend

Wir belesen uns ein wenig in unserem Reiseführer und klappern einige Sehenswürdigkeiten um den See ab. Mir gefallen die kleinen Gassen, die von der Altstadt ins Französiche Viertel führen am besten. Sie sind eng, haben viele kleine, aber sehr ausgefallene, hübsch gestaltete Geschäfte. Dazu fällt das Licht gerade in einem ganz besonderen Winkel in die Straßen, dass alles auf natürliche Weise weichgezeichnet wirkt und zu leuchten scheint.

im Đình Nam Hương Tempel
Brücke zum Ngọc Sơn Tempel

Der absolute Höhepunkt unseres Tages ist allerdings die Food-Tour am Abend, die wir mit „Ti“ machen: Er führt uns in sechs ganz charakteristische Straßenlokale, in denen wir jeweils eine vietnamesische Spezialität kosten. In den meisten Fällen haben sich die Lokalitäten auf ein Gericht spezialisiert, sodass das Bestellen leicht fällt… wenn man denn erst mal weiß, was es gibt.

1. Nộm: im weitesten Sinne ein Salat - mit zwei Sorten Rindfleisch, geraspelter grüner Papaya, vietnamesischen Kräutern und Marinade
2. Bánh Cuốn: gedämpfte Reisrolle mit Pilzen und Hackfleisch, die in eine Brühe mit Kräutern etc getaucht wird. Dazu gibt es vietnamesische Wurst.
3. Bún Chả: Reisnudeln, viele Kräuter, in Suppe gegartes Schweinefleisch und -bällchen, mit Papaya und viel Knoblauch

4. Phở Gà Trộn: ähnlich wie thailändisches Pat thai – Reisnudeln mit Soyasoße, Gemüsestreifen, Hühnchen, Erdnüssen und Kräutern

(Mein Insta-Boyfriend hat hier als Food-Blogger volle Kanne versagt!!! … war sein Lieblingsgericht, war er wohl mit essen beschäftigt.)

5. Kem Xôi: Kokoseis mit gerösteten Kokos-Chips auf warmem, süßem, grün gefärbtem Klebreis
6. Cà Phê / Cacao Trứng: mit Zucker schaumig geschlagenes Eigelb, dass einmal mit starkem Kaffee (Cà Phê - merkste selbst, ne?) und einmal mit Kakao aufgegossen worden ist.

Als Ti uns am Ende fragt, welches Gericht wir am besten fanden, kann ich mich nicht entscheiden. Es war alles total lecker!

Wir lassen den Tag auf der Dachterasse unseres Hotels ausklingen und lauschen den konkurrierenden Klängen der umliegenden Skybars.

Erkenntnisse des Tages:

  • Es gibt vermutlich nichts, was man nicht auf einem Moped transportieren kann.
  • Vietnamesen lieben fluffige kleine Hunde.
  • Der Pudel ist hier das Moped unter den Hunden.
  • Junge Frauen müssen ganz in weiß, idealerweise mit Blumen und in möglichst unnatürlicher Pose fotografiert werden. Notfalls geht statt Blumen auch ein Pudel.
  • Bei uns nennen sich alle Christen, gehen aber nicht in die Kirche. Hier bezeichnen sie sich als nicht-religiös, gehen aber regelmäßig in den Tempel, um den Ahnen Geld zu opfern.
  • Die Welt der Ahnen ist unserer ähnlich genug, dass sie davon profitieren, wenn man Dinge opfert, die man in unserer Welt gut gebrauchen kann, z. B. Essen oder Geld. Aber im Detail kommt es nicht so drauf an, sodass man auch Spielgeld nehmen kann.
    Damit das Geld im Reich der Ahnen ankommt, muss man es verbrennen, damit es sich wie die Ahnen in Rauch auflöst. Obst, Bier und Waffeln als Opfergaben kommen offenbar auch so an.
  • Schlafanzüge kann man hier auch draußen tragen.
  • Jeder Reiseführer warnt vor dem Hanoier Verkehr. Ich meine, wer in Berlin über rote Ampeln gehen kann und nicht überfahren wird, schafft das hier auch ohne Probleme auf die andere Straßenseite. Wir sind also Pros!
  • Wir fühlen uns im Gewühle der Gassen wohler als im schicken Edelkaufhaus.
  • Die Häuser sind hier alle so extrem schmal, weil sie früher nach Fassadenbreite besteuert wurden. Entsprechend sind sie oft extrem tief und viele Stockwerke hoch.
  • Manchmal schaut man in einen Laden hinein, dann kommt ein Moped raus und man erkennt: Das ist eine Straße.
  • Manchmal kann man nicht unterscheiden, ob zwei Leute auf der Straße gerade nur ein opulentes Picknick machen oder ob es sich schon um einen Essensstand handelt.
  • Bei dem Smog hier ist Joggen eine lebensverkürzende Maßnahme. Wir sind auch nicht sicher, ob das Kratzen im Hals von der Klimaanalge stammt oder vom Feinstaub.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Katja

    Sehr inspirierend und tolle Fotos! Tisch für morgen abend im vietnamesischen Restaurant ist bestellt. Danke, dass ihr die Namen des Essens gleich mitgebt. Sechs Gänge wird eine kleine Herausforderung, aber man wächst ja an seinen Aufgaben… 😉 … und mit Cà Phê danach wird es schon werden.

    Falls ihr mit einem Pudel zurückkommt, bitte mit einem weißen.

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