Wir haben es uns mal so richtig gegeben: In 24 Stunden von den 4000 Inseln in die Hauptstadt nach Vientiane. Das sind 800 km. 800 km in Laos sind gefühlt 3000 europäische Straßenkilometer.
Wie dem auch sei: Die zweite Etappe (Pakse nach Vientiane) haben wir mal wieder im Sleeper Bus zurückgelegt. Aber auch hier gilt: 12 Stunden im laotischen Sleeper Bus fühlen sich anders an als wir das bisher gewohnt sind. Hier ein paar Unterschiede:
- Die Strecke: Zwar gibt es für den überwiegenden Teil der Strecke zwischen Südlaos und der Hauptstadt keine landgebundene Alternative zu Straße 13, aber das bedeutet nicht, dass wir es mit einer Autobahn zu tun haben. Nicht einmal zwingend mit Asphalt. Streckenweise rumpeln wir durch stockfinstere Nacht über eine Schotter- und Staubpiste.
- Der Bus: Das ist vermutich nicht die Regel, aber unser Doppeldeckerbus hat Löcher in der Frontscheibe. Keine Carglas-repariert’s-Mikro-Steinschläge, sondern ein tennisballroßes, notdürftig mit grauem Plastik verschlossenes Loch auf Augenhöhe leicht links von Fahrer und zwei tellergroße, ähnlich provisorisch verschlossene Löcher in der Nähe der Scheibenwischer. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie so etwas passiert, ohne dass die Scheibe vollständig zu Bruch geht und außer Hochgeschwindigkeitsmunition ist mir nichts eingefallen.
- Die Schlafgelegenheit: Anstelle eines Liegesitzes gibt es hier eine Liegefläche von 1 x 1,5 m (Angabe auf der Webseite). ZU ZWEIT. Da ist Körper-Origami gefragt.
- Die Fahrer: Das ist reine Spekulation. Aber ich nehme an, dass es in Laos ein Register gibt, das unserer Punktekartei in Flensburg entspricht. Und die Busfahrer werden darin mutmaßlich mithilfe eines einfachen Highscore-Systems ermittelt.
- Das Gepäck: Vielleicht haben sie es aus Platzgründen streckenweise hinterhergeschleift. Jedenfalls haben wir unsere großen Rucksäcke noch nie so staubig-verdreckt zurückbekommen.
Was soll ich sagen? Wir haben es wieder einmal überlebt. Wir sind wieder ans Ziel gekommen und wieder um eine Geschichte reicher. Und wir haben wieder einen Flug vermeiden können. Dafür haben wir einen Teil unserer seelischen und körperlichen Unversehrtheit in diesem Knochenrüttler von einem Bus gelassen.
Jetzt befinden wir uns in Südostasiens langweiligster (Entschuldigung: entspanntester) Hauptstadt. Die Stadt ist aktuell mausetot, da heute – zu unserer Überraschung am 2.1. – Neujahrstag und somit Feiertag ist.
Das klingt nach einem… Erlebnis. (Gibt es da einen neutralen Ausdruck?) Hatte leichte Assoziationen mit dem Knight Bus bei Harry Potter, der sich bei aberwitzigen Tempo auch zusammenfalten kann. Erklärt vielleicht auch die Löcher in den Scheiben, die Fahrkünste und die… ähm… augenbewegende Farbe.
Auf jeden Fall gut zu wissen, dass ihr an einem Stück, wenn auch etwas verknotet und durchgeschüttelt, angekommen seid. Vientiane wird hoffentlich noch etwas aufregender ab dem 3.1. (Vielleicht haben sie einfach die Tradition des schottischen Hogmanay übernommen und zwei Feiertage zum Jahresanfang eingeplant. Laos time…)
Gute Weiterreise!
Auch im neuen Jahr vielen Dank für eure aufschlussreichen und interessanten Erzählungen. Für euch unvergesslich, für mich spannend 🙂 Leider fehlt mir die Phantasie wie man, dazu noch nachts, mit dieser Frontdurchlüftung 800 km den Bus durchs Land steuern konnte (wollte mit ca. 10 Jahren auch mal Reisebusfahrer werden 😉 ). Und, sind an den Haltepunkten auch noch Verkäufer dazu gestiegen, um ihr Zeug zu verkaufen?. Aber 1 x 1,5 scheint für die heimischen Bewohner kein Problem zu sein, so entspannt wie die beiden auf dem Foto im Bettchen liegen.
Jan drücken wir die Daumen, dass sein Darm alles schadlos überstanden hat, ansonsten euch beide im Herzen, auf dass alles gut weitergeht!
Verkäufer gab es keine. Vermutlich, um unseren hypothetischen Nachtschlaf nicht zu stören. 🙂
Und mir geht’s wieder gut.
Ich habe mal die Straße 13 auf Google nachverfolgt. Die nimmt ja jede Kurve mit die der Grenzverlauf zu Thailand, bzw. die Topographie von Laos vorgibt. Vermutlich werden dem Land die Mittel und vielleicht such das Interesse fehlen, eine einigermaßen zügig zu befahrene Straße vom Süden nach Vientiane herzustellen. Was sind wir doch hier verwöhnt! Glücklicherweise konntet Ihr Eure Knochen dann irgendwann wieder auf einem Bett ausstrecken.